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Mitglied: Werner

So, nun hab ich's endlich geschafft, ich bin Mitglied bei den Feuerwehr-Gays, und da wird es Zeit, dass ich mich mal vorstelle. Also erst mal das Offizielle:

Werner Hilscher
Geb.: 14.11.1959
Mitglied der FF Lemwerder seit: 1.9.1971
JFW und GJFW von 1993 - 2002, davor 3 Jahre Stv.
Beruf: Soldat

Familienstand: "Verlebenspartnert" (für meinen Arbeitgeber ledig, ich versuche gerade, ihn gerichtlich davon zu überzeugen, dass er damit falsch liegt)

Nun aber Butter bei die Fische und was von mir erzählt:

Obwohl, der aufmerksame Besucher dieser Seiten wird schon zumindest einen Teil meines Lebens kennen, ist doch meine Geschichte bei den Coming Out Stories als "Werner's Geschichte" seit Entstehen dieser Seiten zu finden. Aber es gibt ja noch ein wenig mehr zu erzählen als mein CO, auch auf die Gefahr hin, das ich das eine oder andere wiederhole. Zumindest über mein CO werde ich mich aber hier nicht weiter äußern, wer da mehr lesen will benutze den Link.

Zur Jugendfeuerwehr bin ich über die Musik gekommen. Unsere Feuerwehr hatte sich damals Gedanken gemacht, wie man denn Feuerwehrveranstaltungen würdig umrahmen könnte und verfiel auf den Gedanken, einen Spielmannszug zu gründen. Als Leiter fand man den damaligen Rektor unserer Schule, der die Pläne dahin änderte, das ein Jugend-Fanfaren- und Spielmannszug entstand. Dieser Rektor war auch mein Klassenlehrer, und er überzeugte mich, dass die Große Trommel in einem solchen Zug genau das richtige Instrument für mich sei...er behielt recht, ich habe sie 25 Jahre gespielt.

Da unser Zug eine anerkannte Jugendfeuerwehr war, kam ich auch mit der "normalen" Feuerwehrarbeit in Berührung, was mich dann mit 16 Jahren veranlasste, Mitglied der Einsatzabteilung zu werden. Musik machte ich aber weiterhin.

Mit 20 Jahren nahm mich dann mein Beruf in Anspruch: Marine und Einsatz an Bord sorgten dafür, dass Feuerwehr und Musik nur noch am Wochenende stattfand, oder im Urlaub. So nahm ich öfters auch an Zeltlagern der JF als Betreuer teil, einen besseren Urlaub konnte ich mir eigentlich nie vorstellen. 1990 wurde ich dann zunächst Stellv. JFW, 1993 dann JFW und GJFW, kein Problem, da in unserer Gemeinde nur eine JF existiert (wir arbeiten schon an der zweiten, steter Tropfen höhlt den Stein). 1996 musste dann der Bereich Musik von uns aufgegeben werden. Trotz intensiven Bemühens war es uns nicht möglich, einen geeigneten Leiter zu finden, ich selbst kam für diese Aufgabe auch nicht in Frage, ich konnte zwar Große Trommel spielen, das war aber auch alles. Außerdem hatten wir einen extremen Mitgliederschwund zu beklagen. So stellten wir also schweren Herzens nach über 25 Jahren erfolgreichen Wirkens diesen Bereich unserer Tätigkeiten ein. Von den Vorwürfen, die man mir und meinem Ortsbrandmeister daraufhin machte, schweigen wir hier lieber. Fakt ist, dass sich nach Auflösung Eltern um einen Leiter bemühten, diesen fanden und eine Show- und Drumband als freien Verein gründeten, die heute unter dem Namen "Blue Eagles" in vielen Orten der Republik zumindest bei Musikern bekannt ist. So hatte die Auflösung also auch eine gute Seite, denn ich glaube nicht, dass uns dieser Erfolg geglückt wäre. Der Bereich Feuerwehrtechnik erlebte zur gleichen Zeit einen enormen Aufschwung, was unter anderem auch damit zusammenhing, dass wir unsere JF endlich auch für Nicht-Musiker öffneten.

1998 kam dann mein Coming out, bei dem mich meine JF sehr unterstützte und mir zeigte, das allein der Mensch zählte. Noch im selben Jahr lernte ich meinen Mann Carsten kennen, und das brachte ein erneutes Problem mit sich: er wohnt im Saarland, ich in Niedersachsen. Entfernung zwischen uns 550 km. Zu der Zeit fuhr ich auch immer noch zur See (ja ja, die Marine), was meinen Tätigkeiten als JFW zwar nicht entgegenstand, da ich sämtliche Zeit, die ich eben nicht zur See fuhr, mit meiner FF und JF verbrachte bzw. für sie tätig war. Nun war da aber noch wer, und es wurde bald klar, das ich mich zwischen Carsten und Jugendfeuerwehr entscheiden musste. Da Carsten ein Geschäft im Saarland betreibt, bemühte ich mich um eine Versetzung ins Saarland. Tatsächlich gibt es da eine Stelle für einen "Mariner", und zwar als Wehrdienstberater. Ich bewarb mich also für diese Stelle, gleichzeitig kümmerte ich mich um meine Nachfolge, was dann aber doch nicht so einfach verlief, wie ich es mir vorstellte....egal, es ist geregelt. So kam es dazu, das ich im Frühjahr 2002 meine Ämter in jüngere Hände übergab. Leider machte mir aber mein Dienstherr einen dicken Strich durch die Rechnung. Zwar wurde ich 2000 endlich nach über 18 Jahren Einsatz auf Schiffen und Booten der Deutschen Marine an Land versetzt, und zwar nach Bremerhaven, Marineschule. Von hier aus wollte ich eigentlich nach einer kurzen Zwischenverwendung ins Saarland auswandern. Man hätte mich auch gerne als Wehrdienstberater genommen, zumal der Dienstposten nicht leicht zu besetzen ist, jedoch herrscht an der Schule ein akuter Ausbildermangel (unser Kommandeur spricht von 40 unbesetzten Dienstposten), so dass ich hier in Bremerhaven bleiben muss, voraussichtlich bis ans Ende meiner Dienstzeit im Jahre 2013!! Das war ein ganz schöner Schlag, trotzdem haben Carsten und ich am 4. Oktober 2002 geheiratet, zusammengezogen sind wir auch, aber eben nur am Wochenende und im Urlaub zusammen. Ansonsten wohne ich weiterhin in Lemwerder, bin hier auch noch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und nerve eine andere FF unserer Gemeinde, dass sie die zweite JF der Gemeinde gründet. Mitglieder dafür gibt es mittlerweile genug, und die betroffene FF hat mir auch gesagt, das man im nächsten Jahr bei ihrem Jubiläum zur Gründung schreiten will...also ich nerve mal weiter, dass es dabei bleibt oder vielleicht schon früher passiert.

Tja, was bleibt sonst noch zu erzählen: Ich engagiere mich auch bei der Bundeswehr für die Belange der schwulen- und lesbischen KameradInnen. Mittlerweile gibt es auch wieder eine Vereinigung, den AHsAB (Arbeitskreis Homosexueller Angehöriger der Bundeswehr, http://www.AHsAB.de, und ich stehe im Standortbereich Bremerhaven als Ansprechpartner zur Verfügung. Somit weiß also auch mein Brötchengeber, was er da "für einen hat". Zum Glück ist der "Schwulenerlass" seit Juli 2000 aufgehoben, so dass mir insofern keine Nachteile entstehen. Innerhalb der Kaserne gehe ich ziemlich offen mit meiner Homosexualität um. So hängen zum Beispiel überall in der Kaserne Plakate, die auf den AHsAB und mich als Ansprechpartner hinweisen. Und im lokalen Netzwerk der Schule am "Schwarzen Brett" habe ich sogar eine eigene Rubrik eingerichtet, die sich mit dem Thema Homosexualität beschäftigt. Diese Rubrik ist innerhalb der Schule sehr bekannt und wird wohl auch öfter aufgesucht. Solche Dinge bedürfen natürlich der Genehmigung durch den Dienstherrn, die ich aber ohne Probleme bei meinem Kommandeur bekam. Mit dem kann man sehr gut reden; als ich mir die Plakataktion persönlich bei ihm genehmigen ließ (war nach zwei Minuten erledigt) quatschten wir noch über eine Stunde. Das ganze wäre wohl noch länger gegangen, wenn nicht seine Vorzimmerdame störte, die ihn auf weitere Termine hinwies (für mich war eigentlich maximal eine halbe Stunde eingeplant).

So, das soll es erst mal gewesen sein. Wer denn da mehr wissen will oder etwas kommentieren möchte, schreibe mir doch mal eine eMail.

Gruß,
Werner

 
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